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 Praktikum im Bereich 'Neue Medien' des Otto Versandes
vom 04.01. bis 30.06.1999
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| Inhaltsverzeichnis |
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| Otto das Unternehmen |
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| Otto Versand Hamburg |
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| Der Bereich 'Neue Medien' |
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| Inhalte des Praktikums |
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| Die Tagesarbeit |
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| Projekt Gewinnspieldatenbank |
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| Projekt I-Telefonie |
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| Projekt Schmuckumfrage |
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| Projekt Webpromote |
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| Projekte Service / Reise / Otto der Club / Büro & Technik |
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| Projekt 1:1 Marketing |
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| Weitere Tätigkeiten |
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Die Erfahrungen |
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Die Zukunft
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Otto das Unternehmen
Otto Versand Hamburg
Der Otto Versand Hamburg wurde vor genau fünfzig Jahren von Werner Otto in Hamburg gegründet. Mit 6000 DM in der Kasse stellte der Firmengründer einen 14seitigen Schuhkatalog auf die Beine, der ‘handmade’ in einer Auflage von 300 Stück hergestellt wurde.
Heute werden allein in Deutschland mehr als 70 Millionen Kataloge gedruckt und mehr als 60000 Mitarbeiter erwirtschaften über 30 Milliarden Mark Umsatz.
„Panta rhei - Alles fließt" so zitiert Michael Otto, Sohn des Firmengründers und Chef des größten Versandhauses der Welt, die Philosophie seines Vater in '50 Jahre jung - Das Magazin zum Geburtstag'. Genau diese Philosophie zieht sich durch das ganze Unternehmen, so daß sie auch ein Praktikant, der einige Stufen tiefer in der Hierarchie steht, zu spüren bekommt. Ich habe den Otto Versand als ein junges und dynamisches Unternehmen kennengelernt, das trotz der komplexen Struktur, und den dadurch entstehenden Problemen zwischen Abteilungen, im Wettbewerb um den Kunden die Nase vorne hat.
Besonders ist diese Innovationsfähigkeit in den ‘Neuen Medien’ zu spüren.
Der Bereich 'Neue Medien'
Der Bereich „Neuen Medien" besteht aus drei Säulen: Der Abteilung CD-ROM, der Abteilung shopping24 ( eigenständiger Auftritt unter http://www.shopping24.de ) und der Abteilung Online-Dienste, die neben dem Auftritt www.otto.de auch BTX/T-Online betreut. Mein Einsatzgebiet lag in der Abteilung Online-Dienste.
Otto startete seinen Internet-Auftritt im Oktober 1995 und erweiterte ihn ab Januar 1997 um die Online-Bestellung und -Lieferauskunft für das gesamte Otto-Angebot. D.h. ab 1997 wurde eine Schnittstelle Mensch-Maschine geschaffen, die es dem Kunden ermöglicht, eine sofortige Lieferauskunft über seine bestellten Artikel zu erhalten. Dem Kunden wird also direkt angezeigt, wenn ein Artikel z.B. ausverkauft oder nicht mehr lieferbar ist. Im Laufe der Zeit wurde die Applikation um viele Features erweitert, so werden auf der Site des Otto Versandes Großbildanzeigen, Rundumansichten, Ansicht von verschiedenen Varianten, eine intelligente Suchfunktion, interaktive Beratung und vieles mehr geboten.
Das mit 22 Mitarbeitern recht kleine Team besteht aus durchweg hochmotivierten, jungen Persönlichkeiten, die sehr oft über Praktika oder Diplomarbeiten den Weg in den Bereich „Neue Medien" gefunden haben. Das Klima im Bereich ist sehr gut. Trotz Hektik und einer Menge Streß hat die Arbeit immer Spaß gemacht; anders wäre der hohe Arbeitseinsatz von den Mitarbeitern und mir wohl nicht zu erklären.
Einzig mit der sprachlichen Kommunikation gab es am Anfang kleine Probleme, weil die gut 600 km zwischen Stuttgart und Hamburg auch einige Spuren in der Aussprache hinterlassen.
Inhalte des Praktikums
Während meines Praktikums beim Otto Versand wurde ich mit mehreren Projekten betraut, die ich eigenverantwortlich bearbeitete. Im Laufe meiner Tätigkeit übernahm ich mehr und mehr an Tagesarbeit. So durfte ich vor allem die Serveradministration durchführen. Das ging so weit, dass im meinem Chef jeden Abend nur noch über die Veränderungen auf den Seiten von www.otto.de per E-Mail informierte, damit dieser auf dem neuesten Stand war. Neben der Tätigkeit in meiner Abteilung fand ich auch die Möglichkeit, mich über das Unternehmen weiter zu informieren - teils durch Veranstaltungen des Personalmarketings, die extra für Praktikanten initiiert wurden oder auch durch persönliche Recherche in den einzelnen Abteilungen. Im Folgenden möchte ich auf die verschiedenen Tätigkeiten genauer eingehen.
Die Tagesarbeit
die Aufgaben
Ein großer Teil der täglichen Arbeit bestand in der Administration der Seiten von www.otto.de. Dies beinhaltete zum Beispiel die Überarbeitung der Reiseangebote, das Einspielen neuer Preisupdates, die Pflege der E-Mail-Datenbank oder das Überarbeiten der Jobangebote. Täglich änderte sich der Auftritt. Dies ist trotz technischer Unterstützung noch viel Handarbeit, die eine Menge Zeit in Anspruch nimmt.
Täglich mußten auch die Anfragen per E-Mail beantwortet werden. Das Kundencenter in Neubrandenburg, das wie die anderen Kundencenter des Otto Versandes telefonisch Bestellungen entgegennimmt, wurde zusätzlich mit der Beantwortung der Fragen per E-Mail betraut. Da aber die Mitarbeiter des Kundencenters bei vielen E-Mails überfragt waren, wurden zum Beispiel technische Fragen oder auch Anfragen, die das Haus betrafen, an unsere Abteilung weitergeleitet.
die Lehren
Ich brauchte einige Zeit, um hinter die gesamte Struktur des Auftrittes zu steigen. Da wir beim Aufbau der Seiten mehr als fünf Frames verwenden, stellen auch kleinere Erweiterungen der Site einen nicht unerheblichen Aufwand dar. Vor allem wenn es darum geht, Seiten in eine neue Navigation einzubauen, müssen sehr viele Faktoren beachtet werden. Da alle Bilder von spezialisierten Grafikerinnen und Grafiker bearbeitet werden, kann sich die Produktion einer Seite manchmal in die Länge ziehen. Dafür stimmt dann aber auch die Qualität der Bilder.
Der Kundenkontakt bei der E-Mail Beantwortung war sehr interessant. Die Bandbreite der Reaktionen reichte von Empörung über die langsamen Seiten bis zu Glückwünschen zu unserem gelungen Auftritt. Wie schwierig es manchmal sein kann, ein Problem auf den Punkt zu bringen, spiegelte sich in vielen Mails wider. Es war oft einfacher, den Kunden gleich anzurufen und nach einer genauen Fehlerbeschreibung das Problem zu behebenden, als sich auf einen zeitraubenden, längeren E-Mail Kontakt einzulassen.
In zunehmendem Maße wurden wir auch in Umfragen oder statistischen Erhebungen nach Zahlen und Motiven des Auftritts gefragt. Immer mehr Diplomarbeiten beschäftigen sich mit dem Thema E-Commerce. Viele der allgemeineren Fragen wurden an unsere Presseabteilung weitergeleitet. Wir hatten nur wenig Zeit, um uns den detaillierteren Fragen zu stellen und außerdem konnten ( oder wollten ) wir viele Fragen gar nicht beantworten. Mir wurde bewußt, dass ich in nicht allzu langer Zeit am anderen Ende der Leitung sitzen werde, um z.B. empirische Daten für meine Diplomarbeit zu sammeln.
Projekt Gewinnspieldatenbank
die Aufgaben
Im Rahmen verschiedener Gewinnspiele erhielten wir täglich zum Teil bis zu 2000 E-Mails, deren Weiterbearbeitung nicht geregelt war. Ich hatte mir zur Aufgabe gestellt, die Adressdaten in eine Datenbank zu exportieren, um sie von dort aus weiter verwenden zu können.
die Lehren
Ich verbesserte mein Export-Programm schrittweise, so daß ich gegen Ende mit zwei Knopfdrücken mehrere tausend E-Mails in die Access-Datenbank einlesen konnte. Sehr beeindruckend war die Resonanz, nachdem das Gewinnspiel für ein paar Tage mit einem Banner auf der Homepage platziert wurde. Sofort schnellten die Teilnehmerzahlen in die Höhe. Grundsätzlich ist die E-Mail-Adressenverwaltung sehr aufwendig 20 % der E-Mail-Adressen sind nach wenigen Monaten wieder ungültig, viele Adressen werden falsch eingegeben und sind deshalb unbrauchbar. Dies habe ich auch besonders während der Arbeit am Projekt 1:1 Marketing ( s.u. ) zu spüren bekommen. Dabei stellte sich für uns immer mehr die Frage, inwieweit ein Outsourcing der E-Mail-Datenbank, z.B. an einen externen Dienstleister, nicht der sinnvollere Weg sei.
Projekt I-Telefonie
die Aufgaben
Dieses Projekt, das gemeinsam mit angrenzenden Bereichen im Otto Versand durchgeführt wurde, beinhaltete einen Test zur Verknüpfung von Internet und Telefon. Ziel war es dabei, dem Kunden eine verbesserte Beratungsleistung zu bieten. Bei dem angedachten Szenario konnte der Kunde gleichzeitig surfen und mit der Kundenbetreuung sprechen, um somit Probleme, die bei dem Besuch der Seiten von www.otto.de auftraten, gleich zu beheben. Der Bereich ‘Neue Medien’ hatte die Aufgabe, für die technische Realisierung des Projektes zu sorgen.
die Lehren
Wir bauten die Testinfrastruktur mittels Voice-over-IP auf. Schon bei den ersten Tests innerhalb des Unternehmens kam es zu Komplikationen, weil das Herunterladen des benötigten Plug-Ins und die Konfiguration des Head-Sets den Anwendern Probleme bereitete. Oft mußten wir vor Ort gehen, um z.B. gegen unterschiedliche Browser-Versionen zu kämpfen. Um solche Probleme zu umgehen, wurden unsererseits Mindeststandards gesetzt.
Grundsätzlich war das Projekt als Test gedacht, um für die Zukunft gerüstet zu sein, wenn größere Bandbreiten einen flächendeckenden Einsatz erlauben werden. Denn während des Tests kam es häufig zu Verzögerungen des Sprachflusses, was keinen normales ‘Miteinander Sprechen’ erlaubte. Trotzdem war es aufregend, das erste Gespräch mit unserer Kundenberaterin im Kundencenter zu halten und somit die Anfänge dieser Technik kennenzulernen.
Vor allem im Bereich der Ferngespräche wird dieser Technik eine rosige Zukunft vorausgesagt, da jeder Teilnehmer durch die lokale Einwahl ins Internet nur die Kosten für ein Ortsgespräch tragen muss.
Projekt Schmuckumfrage
die Aufgaben
Im Rahmen einer Diplomarbeit wurde die Aufgabe an uns heran getragen, die Umsetzung eines Fragebogens ins Netz zu realisieren. Zur Steigerung der Attraktivität wurde der Fragebogen in Verbindung mit einem Gewinnspiel in die Seiten von www.otto.de eingebaut. Mir wurde das ganze Projekt von der Konzeptierung über die Produktion bis zur Organisation der Verlosung übertragen.
die Lehren
Die Zusammenarbeit mit der Diplomandin war gut, da sie durch uns weiteres statistisches Material für Ihr Diplomarbeit bekam. Durch das Internet besteht die Möglichkeit, die Validität des Fragebogens deutlich zu erhöhen, in dem man hinter die Fragen Algorithmen legt, die keine falschen oder unsinnigen Antworten zulassen. Allerdings kann noch nicht von einer repräsentativen Umfrage gesprochen werden, weil sich die Bevölkerungsschichten nicht in der Surfergemeinschaft widerspiegeln und außerdem die Gefahr der Selbstselektion besteht.
Für mich war es sehr lehrreich, ein Projekt von der ersten Besprechung bis zum endgültigen Abschluss alleine durchgeführt zu haben. Wichtig ist vor allem, dass man aus Besprechungen mit klaren Absprachen herausgeht und diese gleich auch schriftlich festhält, um möglichen Missverständnissen entgegen zu wirken.
Projekt Webpromote
die Aufgaben
Durch das immer größer werdende Internet und die steigende Anzahl von Anbietern, wird es immer wichtiger, ein optimale Plazierung der URL sowie deren Inhalte in den führenden Suchmaschinen und Verzeichnissen zu erzielen. Fernziel ist es, dass der Kunde z.B. ‘Sony Camcorder’ in die Suchmaschine eingibt und dann unter den ersten Einträgen des Suchergebnisses einen Link findet, der ihn direkt ins richtige Sortiment von www.otto.de führt.
Zunächst ging es jedoch darum, www.otto.de selbst auf den Suchmaschinen höher zu platzieren. In einer weiteren Phase wurde ein externer Dienstleister hinzugezogen, der mit einer bestimmten Technik unser gesetztes Fernziel erreichen will.
die Lehren
In einem prägnanten Satz zusammengefaßt: „promoting a web-site is hard work." Die verschiedenen Suchmaschinen arbeiten mit verschiedenen Suchalgorithmen, außerdem gibt es Verzeichnisse, in die man sich aktiv eintragen muss und die danach noch redaktionell bearbeitet werden. Alle angepriesenen ‘Wunderprogramme’, welche die Eintragungen in die Suchmaschinen automatisch erledigen sollen, sind nur von geringer Wirkung. Auch hier war die Zusammenarbeit mit einem externen Spezialisten die Lösung des Problems.
Projekte Service / Reise / Otto der Club / Büro & Technik
die Aufgaben
Bei diesen Projekten ging es darum, vorgegebenen Prospekte oder Informationsmaterial der einzelnen Abteilungen in den Internetauftritt von www.otto.de zu integrieren. Die Aufgabe bestand also hauptsächlich in der Produktion von HTML-Seiten und dem Einbau mit Navigation.
die Lehren
Die 1:1 Abbildung von Prospekten ist im Internet nicht sinnvoll. Vielmehr muß man den Inhalt medienspezifisch anpassen, um die sogenannten Medienbrüche ( z.B. Nennung von Telefonnummern ) zu umgehen.
In der Konzeptionierung eines solchen Teilauftrittes ist zu beachten, dass dem Nutzer an jeder Stelle der Site angezeigt wird, wo er sich gerade befindet und er an jeden beliebigen Punkt der Site navigieren kann. Vor allem bei einem solchen großen Auftritt, wie der des Otto Versandes, ist die Navigation extrem wichtig, damit der Kunde nicht den Überblick verliert.
Außerdem muß bei jedem Ausbau die „Corporate Idendity" des Auftrittes gewahrt werden, d.h. Schriften und Farben müssen an den vorhandenen Auftritt angepasst werden.
Als Sicherheit wurde in der Abteilung das „4-Augen-Prinzip" eingeführt. Bevor Seiten online gehen, sieht ein Mitarbeiter nochmals darüber, um Fehler zu entdecken. Dies ist dann besonders von Erfolg gekrönt, wenn der betreffende Mitarbeiter gar nichts mit dem Projekt zu tun und sozusagen als Kunde über die Seiten surft.
Projekt 1:1 Marketing
die Aufgaben
Ziel des 1:1 Marketing ist die direkte, persönliche und individuelle Ansprache des Kunden auf der Grundlage von Kundenpräferenzen (z.B. besondere Vorlieben, Konfektionsgröße etc.). Die Angebote für den Kunden werden also basierend auf den Einzelpräferenzen zusammengestellt. Auf der Site des Otto Versandes wurde dies durch die mögliche Einwahl auf die „persönlichen Seiten" realisiert. Durch Angabe der Kundennummer und des Geburtsdatums wird den Kundenwünschen entsprechend eine persönliche Site aufgebaut.
Meine Aufgabe bestand unter anderem darin, die persönlichen Angebote, die sich hinter dieser personalisierten Site verbargen, zu produzieren und zu pflegen. Nach dem Baukastenprinzip wurde z.B. für die Einzelbesteller eine Startzeitung mit Sonderangeboten aufgebaut, die sich immer wieder veränderten. Für die große Anzahl von Sammelbestellern wurden die von der Verkaufsförderung speziell erstellten Verkaufsberater aufgenommen und für das Internet modifiziert. Die Produktion des Verkaufsberaters wurde, nachdem ich ihn 3 mal produziert hatte, an eine Multimedia-Agentur outgesourced, um weniger Kapazitäten der Abteilung zu binden. Mir wurde die Aufgabe zuteil, die beauftragte Agentur über das „Wie" zu unterrichten und ihre Arbeit zu überprüfen.
Eine weitere Aufgabe war das Testen der Kundenidentifikation. Der eigentliche Kern der personalisierten Seiten wurde von einer externen Agentur programmiert. Es galt, die neuen und veränderten Funktionen zu überprüfen und danach online zu stellen. Durch den sehr komplexen Auftritt kam es immer wieder zu sich bedingenden Fehlern, die dann reklamiert und verbessert werden mußten.
Einer der Hauptbestandteile des 1:1 Tools ist die Kundendatenbank mit E-Mail und Präferenzenangabe. Ich übernahm die Pflege dieser Kundendatenbank und verfasste personalisierte Mailings für die einzelnen Kundengruppen.
Bei der Ausarbeitung der Strategie und des weiteren Vorgehens im Projekt 1:1 Marketing wurde ich mit dem Benchmarking von www.amazon.com, der Internet Start-Up-Company dieser Tage und Vorreiter des 1:1 Marketings, betraut.
die Lehren
Als es darum ging, beim Outsourcing des Verkaufsberaters den Mitarbeitern der Agentur klar zu machen, was wichtig bei der Erstellung ist, wurde mir erst bewußt, wie schwer es ist, die eigenen Arbeitsschritte und Gedanken so auf ein Papier zu schreiben, daß eine ordentliche Aufgabenbeschreibung entsteht, auf deren Basis dann auch das Ergebnis überprüft und nötigenfalls reklamiert werden kann.
Einer der prickelndsten Momente war das Versenden von über 15000 Mails. Es ist einfach ein geniales Gefühl, mit ein paar Knopfdrücken so viele Menschen persönlich ansprechen zu können. Auch aus diesem Grund sind die „Neuen Medien" eines der interessantesten Berufsfelder für mich. Die Pflege der Datenbank war allerdings mit einem sehr hohen Aufwand verbunden. Nach jeder Mailing-Aktion kamen zum Teil hunderte falsch adressierter Mails zurück, die manuell aus der Datenbank ausgetragen werden mussten. Sehr wahrscheinlich wird diese Aufgabe auch einer Agentur außer Haus übergeben, da die Pflege der Datenbank und das Versenden von E-Mail die Kapazitäten der Abteilung übersteigt.
Sehr mühselig war auch die Kommunikation mit tangierten Bereichen des Otto Versandes, die mit dem 1:1 Projekt zu tun hatten. So mußten wir für unser Projekt erst einmal im Haus werben, damit wir die nötige Unterstützung und das Fachwissen der Abteilungen erhielten.
Es war sehr interessant an diesem großen Projekt, das in Zukunft das Verhältnis zwischen Kunde und dem Otto Versand einschneiden verändern und verbessern wird, mitzuwirken. Die hieraus gewonnen Erkenntnisse werde ich immer wieder anwenden können.
Weitere Tätigkeiten
Besuch von Seminaren des Personalmarketing
Während den Semesterferien veranstaltete das Personalmarketing Seminare für die Praktikanten des Otto Versandes. Ich nahm am Bewerbertraining und an einer Fallstudie des Bereiches Marketing teil. Es wurden also die klassischen Bewerbungssituationen in Assessment Centern geschult. So durfte ich mich in einem fünfminütigen Vortrag über meinen Lebenslauf mit Hilfe von Flip-Cart, Overhead-Projektor und Pinnwand den kritischen Augen und Ohren von anderen Praktikanten und den drei Mitarbeitern des Personalmaketings stellen. Danach wurde ein offenes Feedback gegeben, kritisiert und kommentiert. Am Ende des Seminars fühlte ich mich um einige Erfahrungen reicher, vor allem hatte ich sehr viel darüber gelernt, wie ich auf andere wirke und wo meine Schwächen liegen. Zum Seminar gab es informative Unterlagen, die ich vor jedem weiteren Bewerbungsgespräch wieder zur Vorbereitung heranziehen werde.
Ein weiterer Höhepunkt war die Teilnahme an einem Seminar im Rahmen des AQN-Programms ( Arbeitsprogramm für qualifizierten Nachwuchs ) des Otto Versandes. Hierbei werden Mitarbeiter durch Schulungen zu Führungskräften ausgebildet. Thema dieses Seminars war die Schulung von Einstellungs- und Beurteilungsgesprächen. Ich durfte die Rolle des Bewerbers spielen. Nachdem ich mich fiktiv mit Anschreiben und Lebenslauf beworben hatte, wurde das Bewerbungsgespräch nachgestellt und aufgezeichnet. Leider durfte ich nur beim Feedback, das mich betraf, teilnehmen - interessant wäre sicher auch das Urteil der Personalerin über die Nachwuchsführungskräfte gewesen, die mir im Bewerbungsgespräch als Vertreter von Otto gegenübersaßen. Trotzdem habe ich auch aus dieser Bewerbungssituation und einem darauf folgenden Feedback-Gespräch mit der Leiterin des Seminars viele Lehren gezogen. Der Otto Versand legt sehr großen Wert darauf, dass der jeweilige Aspirant in die Unternehmensphilosophie passt, also vor allem, dass die menschliche Komponente stimmt. Ich fand es manchmal ein wenig übertrieben, wie sehr der Lebenslauf nach diesen sozialen Fähigkeiten abgetastet wurde - aber die Frage nach der Teamfähigkeit ist eine der wichtigsten Fragen im Otto Versand.
Im Rahmen dieses Programms hatte ich auch die Möglichkeit, bei einem echten Vorstellungsgespräch dabei zu sein. Dabei habe ich gesehen, wie schlecht ein solches Gespräch verlaufen kann, wenn sich die Bewerberin nicht gut vorbereitet hat oder gar nicht genau weiß, was sie eigentlich will.
Ich hatte es bei meinen persönlichen Gesprächen mit den Mitarbeitern des Personal immer mit Menschen in der Mitte des Lebens zu tun, von denen man unheimlich viel lernen konnte. Der Otto Versand ist ein Unternehmen, das sich durch ein starken Personalbereich überdurchschnittlich um seine Mitarbeiter und sogar seine Praktikanten kümmert.
Präsentationen / Verhandlungen mit externen Anbietern
Durch die Abteilung wurde mir auch die Möglichkeit zuteil, an Seminaren und Präsentationen von Unternehmen teilzunehmen, die mit den 'Neuen Medien' kooperieren wollten. Dies reichte von Communities, die Otto als Einkaufszentrum einbinden wollten, bis zu Auktionshäusern. Sehr interessant, im Vergleich zu meinem letzten Praktikum bei einem mittelständischen Unternehmen, war die Tatsache, dass ich nun auf der Seite saß, mit der viele kooperieren wollten. Der Bereich konnte sich bei bestimmten Projekten zwischen verschiedenen Anbieter entscheiden. Besonders bei Verhandlungen wurde mir klar, dass ein großer Namen auch Möglichkeiten für niedrigere Preise gibt, da z.B. für eine kleinere Werbeagentur der Name "Otto" auf der Referenzliste ein Zugpferd ist.
Lektüre
Vor allem im Rahmen des Projektes "1:1 Marketing" habe ich mich während des Praktikums ausführlich mit den Büchern von Don Peppers und Martha Rogers ( z.B. "One to One Future" und "Enterprise One to One" ) beschäftigt. Ihre Gedanken sind zu den Grundfesten eines modernen 1:1 Marketings geworden, viele ihrer konzeptionellen Ideen wurden auch beim Projekt der 'Neuen Medien' umgesetzt. Die neue Sicht auf den Kunden, die individuelle Betreuung des Kunden und die dadurch entstehende höhere Kundenbindung können durch die neuen Technologien einfacher denn je realisiert werden. Auch in dem von Patricia B. Seybold geschriebenen Buch "customers.com" wird, für die amerikanische Literatur typisch, praxisnah und einfach der Aufbau einer profitablen Strategie fürs Internet beschrieben.
Bemerkenswert war, dass ich dieses Gedankengut während meiner täglichen Arbeit anwenden konnte. Viele der Veränderungen auf den Seiten von www.otto.de waren darauf ausgerichtet, den Weg zur Bestellung eines Artikel möglichst einfach und selbsterklärend zu gestalten, damit der Kunde einen hohen Nutzen durch die Applikation erfährt.
Fortbildung zum 'Lotus Certified Specialist'
Über das Internet hatte ich von einem Förderprogramm von Lotus Notes Education erfahren, das speziell Studenten ermöglichen sollte, sich die teure Fortbildung zum Datenbankenspezialist leisten zu können. Nach einem Aufnahmetest wurde ich Schüler dieser "Lotus Internet University" und nahm an einem Lehrgang zur Datenbankenentwicklung teil, den ich mit der Prüfung zum "Certified Lotus Specialist" erfolgreich abschloss. Die Möglichkeit, an einem solchen Programm teilzunehmen, hatte ich vor allem meinem Chef zu verdanken, der mich für den mehrtägigen Kurs freistellte, obwohl das Thema nicht direkt mit meiner Tätigkeit in den 'Neuen Medien' zusammenhing ( www.otto.de verwendet eine Oracle-Datenbank ). Sozusagen als Zuckerstückchen wurde mir gegen Ende des Praktikums sogar die ermäßigte Teilnahmegebühr durch die Abteilung `Neue Medien' finanziert.
Feedbackgespräche
Schon zu Beginn des Praktikums hatte ich in regelmäßigen Abständen um ein Feedback-Gespräch mit meinem Vorgesetzten gebeten, um sicher zu gehen, dass ich "in die richtige Richtung" laufe. Die Gespräche selbst bestanden aus einem kurzen Rückblick, in dem auch Dinge, die nicht nach Plan gelaufen waren, angesprochen wurden, und einem Ausblick auf die Projekte, an denen ich dann weiter gearbeitet habe. Die Gespräche entwickelten sich für mich zu einem wichtigen Bestandteil, weil sich mein Vorgesetzter eine halbe Stunde für mich Zeit nahm, ohne dass die Tagesarbeit ständig ablenkte. Während des normalen Tagesablaufes war es nämlich nur sehr schwer möglich, den Mitarbeitern mehrere freie Minuten abzuverlangen. In der ständigen Hektik und dem Hasten von Termin zu Termin wurden zwischendurch nur die wichtigsten Informationen weitergegeben.
So war es auch nicht verwunderlich, dass die interessanten und mit einem visionäreren Blick geführten Gespräche erst später am Abend geführt wurden. Aber gerade dieser Gedankenaustausch beflügelte mich wieder in meiner täglichen Arbeit.
Ich führte auch mehrere Gespräche mit meinem Bereichsleiter, der durch meine Arbeit auf mich aufmerksam wurde. Neben einer Gehaltserhöhung habe ich aus diesen Gesprächen viele interessante Tipps mitgenommen, die ich in meinem kommenden Berufsleben sicherlich gebrauchen kann. Besonders beeindruckt war ich, als mich der Bereichsleiter dazu aufforderte, ihm Verbesserungsvorschläge für die Abläufe im Bereich zu geben und die Abteilung weiter kritisch zu beobachten.
Mir wurde ganz deutlich, dass es vor allem im Bereich der 'Neuen Medien" nicht darum geht, einen ganz 'geraden' Lebenslauf vorzuweisen. Sehr viele Führungskräfte sind Quereinsteiger, die "nur" mit der Zeit gegangen sind.
Besuch der CEBIT '99 in Hannover
Ein weiterer Höhepunkt war zweifellos der Besuch der CEBIT. Es war schon ein wenig kurios, mit anzusehen, wie schnell sich die Räder auf einmal drehten, als der Name "Otto Versand, Neue Medien" fiel. Außerdem ist die CEBIT einer der besten Plätze, um sich ein Bild von verschiedenen möglichen zukünftigen Arbeitgebern zu machen. Sehr auffällig waren die an fast jedem Stand ausgeschriebenen Vakanzen der einzelnen Unternehmen. Die Suche nach gutem, qualifiziertem Personal im IT-Markt ist sehr ausgeprägt. Aber auch für die weitere Praktika-Suche wurde ich fündig. Leider war ein einziger Tag bei der Fülle des Angebots einfach zu wenig .
Der Praktikantenstammtisch
Der Otto Versand verfügt über zwei Praktikanten-Stammtische. Beim internen Praktikanten-Stammtisch fanden wir uns wöchentlich in der Kantine ein, um zusammen Mittag zu essen. Studenten aus ganz Deutschland saßen an einem Tisch und tauschten sich über die Studienerfahrungen und die Erlebnisse bei Otto aus. Zum externen Praktikanten-Stammtisch lud ich alle zwei bis drei Wochen abends ein. Dann trafen wir uns in lockerer Runde. Gerade hierbei konnte ich viele nette Menschen kennenlernen, mit den ich zum Teil weiterhin Kontakt pflege.
Vortrag für Praktikanten
Gegen Ende des Praktikums organisierte ich mit anderen Praktikanten zusammen Informationsveranstaltungen, in denen sich verschiedene Abteilungen vorstellten. Mein Chef übertrug mir die Aufgabe, den Bereich und den Auftritt unter www.otto.de den Praktikanten vorzustellen. Bei solchen Vorträgen ist es sehr wichtig, nicht sein eigenes Wissen bei den Zuhörern als gegeben vorauszusetzen, sondern im Grunde nochmals bei "0" zu beginnen. So erklärte ich die ganze Applikation mit Ihren Funktionen online und versuchte meinen Zuhörern auch zu vermitteln, welche Detailarbeit hinter diesen Anwendungen steckt.
Die Erfahrungen
Wenn man, vor allem im Süden Deutschlands, nach dem Image des Otto Versandes frägt, dann stellen sich viele eine Hausfrau im höheren Alter vor, die im Katalog blätternd am Telefonhörer sitzt und für die ganze Familie gemütlich einkauft. Analog dazu müssen die Mitarbeiter in der Hamburger Zentrale alte, eingesessene Herren sein, die auf ihren antiquierten Einstellungen und Erfahrungen sitzen. - So ist es nicht! - Obwohl vor allem unter den jüngeren Mitarbeitern scherzhaft vom "Amt für den Versandhandel" gesprochen wird, hatte ich es in meiner Abteilung durchgehend mit voll engagierten Menschen zwischen 24 und 40 zu tun, die meinen Eindruck von einem jungen, dynamischen Unternehmen stärkten. Und so werde ich das auch in meinen Bekanntenkreis weitertragen, in dem oben beschriebenes Vorteil auch noch vorherrscht.
Das Thema "Kommunikation" ist mir vor allen in der Abteilung 'Neue Medien' öfter als erwartet entgegengetreten. Um richtig dabei zu sein und auch hinter die Kulissen blicken zu können, waren z.B. die Mittagessen von entscheidender Bedeutung. Wie schon erwähnt, hatten die Mitarbeiter sehr wenig Zeit, und so wurden auch beim Mittagessen wichtige Informationen, um Zusammenhänge zu verstehen, ausgetauscht. Des weiteren war die Kommunikation per E-Mail unumgänglich. Was fest formuliert als Terminanfrage oder Information in der Inbox steht, wird einfach nicht so leicht vergessen. Teilweise ging es so weit, dass ich selbst für kurze Gespräche mit meinen Vorgesetzten Termine in Ihre Kalender eingetragen habe.
Ich glaube, daß ich im Laufe meines Praktikums auch von einer gewissen Art von "Betriebsblindheit" befallen wurde. Während ich am Anfang des Praktikums noch jedem aufmerksam zugehört hatte, wurde die Konzentration und auch die Bereitschaft, aktiv am Gespräch teilzunehmen mit zunehmenden Wissen um die Abläufe in der Abteilung geringer. So gesehen war dieses halbe Jahr genau die richtige Zeitlänge, um nun wieder ein wenig mehr von außen auf die Abteilung und die Veränderungen zu blicken.
Ich hatte während meinen bisherigen praktischen Tätigkeiten kleinere und mittlere Unternehmen kennengelernt und so waren die Erfahrungen mit dieser größeren Unternehmensstruktur neu für mich. Bei mehreren Entscheidungsebenen ist es ungleich schwerer, neue Ideen umzusetzen und dem Markt nicht hinterherzuhinken. Die 'Neuen Medien' fristeten im Otto Versand die letzten Jahre eher ein Inseldasein; so konnten sie recht autonom den Auftritt aufbauen. Nun, da sich unternehmensweit das Wort "E-Commerce" ausgebreitet hat und Arbeitsgruppen zum Thema geschaffen wurden, werden immer mehr Anforderungen an den Bereich gestellt und er muß darauf achten, nicht zum reinen "Service-Dienstleister" anderer Abteilungen zu werden. Im Prozeß der Umstrukturierung und Ausrichtung des Otto Versandes auf E-Commerce wird es bestimmt weitere strukturelle Änderungen geben, denn ein kleiner Bereich, wie dies die 'Neuen Medien' mit 22 Mitarbeitern ist, kann schon rein personell nicht die Anforderungen dieses neuen Geschäftsfeldes für den gesamten Otto Versand erfüllen.
Die Zukunft
Ich freue mich, in das neu entstandene Förderprogramm "talents@otto" für ehemalige Praktikanten und Auszubildende des Otto Versandes aufgenommen worden zu sein. Im Rahmen dieses Programmes will der Otto Versand Kandidaten, die ein überdurchschnittliches hohes Engagement während Ihres Einsatzes im Haus gezeigt haben, gezielt studienbegleitend unterstützen und fördern; so z.B. durch weitere Seminare, Diplomarbeiten- / Praktika-Unterstützung, Auslandspraktikum und ein Universitätsübergreifendes Netzwerk. Es soll versucht werden, ehemalige Praktikanten näher an das Unternehmen zu binden. Denn hinter diesem überdurchschnittlichen Engagement des Personalmarketings und dem Förderprogramm steht natürlich auch der Gedanke, potenzielle Mitarbeiter für das Unternehmen zu finden.
Ich kann jedem Studenten, der Praxiserfahrung in einem der angebotenen Bereiche des Otto Versand sammeln will, empfehlen, in Hamburg ein Praktikum zu absolvieren. Die große Anzahl an Praktikanten macht es leicht möglich, Kontakte in der 'neuen' Stadt zu knüpfen. Außerdem ist die Betreuung durch das Personalmarketing im Vergleich zu anderen Großunternehmen weit überdurchschnittlich. Ich werde, auch durch das oben beschriebene Förderprogramm, den Kontakt zum Otto Versand weiter halten.
So kann ich aus voller Überzeugung mit dem Slogan schließen, der sich seit 1985 in den Köpfen der Kunden verankert hat:
Hohenheim, den 19.09.1999
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