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Newsletter No. 3

vom 19. Dezember 2000


Hallo liebe Freunde,

vielen Dank fuer die vielen positiven Rueckmeldungen auf meinen letzten Newsletter. Irgendwie schaetze ich den Aufenthalt hier noch mehr, wenn ich die vielen positiven RE:Mails lese .. ;-)

Wie immer: Wenn Ihr keine solche Mail mehr erhalten wollt, dann lasst mich das bitte wissen -- positive Rueckmeldungen sind natuerlich auch willkommen :-)


In Brief:

HIRE AND FIRE -- LAY OFFS
eddie bauer corporate headquarter entlaesst mitarbeiter -- unsichere stimmung
WORKING IN THE STORE
verkaufen im university village store
PRINZIP DER OFFENEN TUEREN
die moeglichkeit, wirklich jeden fragen zu koennen
THANKSGIVING
einfach nur gut essen und trinken
NEWSPAPER STREIK
beide daily newspapers streiken, mit geringen auswirkungen


HIRE AND FIRE -- LAY OFFS
In den USA findet man sich auf einem 'haerteren' Arbeitsmarkt als in Deuschland wider, und das gilt sowohl fuer den Arbeitsgeber als auch der Arbeitnehmer.
Anfang Dezember fand ich eine kurze E-Mail in meiner Inbox mit der Mitteilung, dass einer unseren Mitarbeiter (CVM) mit Bedauern ( und einer Aussicht auf 'etwas' mehr Gehalt ) das Unternehmen zur Konkurrenz verlaesst. Die Mail endete mit der kurzen Info, dass der 8. Dezember sein letzter Arbeitstag sei. Innerhalb von zwei Wochen kann man hier also ohne Probleme das Unternehmen wechseln -- und die Abteilung muss nun innerhalb kuerzester Zeit jemanden anderen finden. Auf der anderen Seite fand Freitag vor einer Woche ein internes Meeting statt, in dem angekuendigt wurde, dass es in der darauffolgenden Woche einige Entlassungen geben wird. Letztes Jahr hatte man anscheinend Mitarbeiter von einem Tag auf den anderen entlassen, dieses Jahr wollte man ein bisschen freundlicher sein... Was ich raus gehoert habe waren vor allem Budget-Fragen. Alle Executives muessen darauf achten, dass Sie ihr Personal-Budget einhalten zum Jahresende ... Die Stimmung in der Abteilung ist dementsprechend nicht so gut, aber es ist nicht das erste Mal, das EB Mitarbeiter entlaesst. ....

Es hat meinen Car-Pooler getroffen. [Bild] Am Morgen wurde ihm eroeffnet, dass er entlassen wird, den Tag ueber durfte er seine Sachen packen und am Abend verlies zum letzten Mal das Eddie Bauer Gebaeude. Das macht mich schon nachdenklich!

WORKING IN THE STORE
Eddie Bauer bietet fuer die Corporate-Mitarbeiter, die hier draussen in Redmond arbeiten, die Moeglichkeit, fuer einen halben Tag in einem der Stores zu arbeiten und so 'richtige' Verkaufslust zu schnuppern. Es war sehr interessant, mit unseren Kunden einmal direkt in Kontakt zu treten. Wir arbeiten hier mit Ideen und aggregierten Kundenklustern, und dann steht ein einzelner vor Dir und erreicht 'seine' Handschuhe nicht, weil das Regal zu hoch ist ... Ausserdem haben die Shops, vor allem in einer Mall wie University Village unheimliche Peak-Hours, zur Lunch-Zeit gegen 11.30 PM standen auf einmal zig Leute im Store, und wollten ganz schnell ihr Weihnachtsshopping erledigen ...

PRINZIP DER OFFENEN TUEREN
Obwohl wegen den Lay Offs ( siehe oben ) in den letzten Tagen manche Tuer geschlossen war, gilt das Prinzip der offenen Tuer. Es ist schon verblueffent: Der Vice President Marketing nimmt sich genauso viel Zeit, meine Fragen ausfuehrlich zu beantworten, wie ein Associate. Ausserdem haben Interns hier die Moeglichkeit, Meetings der Executive-Ebene beizuwohnen -- vor einer Woche durfte ich zum Beispiel unseren CEO Rick Fersch kennenlernen. Das Tempo der Diskussion, aber auch die entspannte, lockere Stimmung gepaart mit der Konzentration auf das anstehende Problem, sind schon bemerkenswert.

THANKSGIVING:
Zu Thanksgiving hatten alle Mitarbeiter eine sehr gefuehlsbetonte Voice Mail von Rick Ferch erhalten. Der weilte gerade in Hamburg und musste fuer die (schlechten) Ergebnisse von Eddie Bauer bei der Mutterfirma Otto Versand gerade stehen. Ueber 2 Minuten wurden wir fuer unsere tollen Leistungen beglueckwuenscht ... da macht das Arbeiten doch gleich doppelt Spass ;-) Das eigentliche Thanksgiving habe ich wunderbar abgelegen und klassisch auf einer Farm in der Naehe von Longview verbracht -- man kann schon sagen in der Wildniss. Natuerlich mit dem traditionellen Turkey Dinner [Bild], der fuer die gesamten Grossfamilie ( Oma und Opa mit 91 und 92 ) und den kleinen Enkeln mit 2 und 4 reichte. War einfach schoen, ein bisschen in die amerikanischen Familienbande hineinschnuppern zu duerfen. Als Kroenung durfte ich dann noch einige Schafe fangen [Bild], damit man ihnen eine Vitaminspritze geben und die Hufen stutzen konnte. Ich habe diese Tage echt genossen. Nach Thanksgiving ist DER grosse Shopping Tag in den Staaten -- wir besuchten die Mall in Portland -- Augen zu und durch ...

NEWSPAPER STREIK
Zur Zeit streiken sowohl http://www.seattletimes.com als auch http://seattlep-i.com. Die Mitarbeiter sind gewerkschaftlich organisiert ( eher die Ausnahme hier ) und handeln desshalb alle drei Jahre neue Vertraege aus. Das Ergebnis des Streikes ist fuer mich postiv: Weil die Zeitung qualitativ schlechter ist (es schreiben nun Aushilfskraefte) gibt es alle Ausgaben umsonst mit dem Hinweis, dass man die neuesten Nachrichten bitte auf der Website nachsehen solle. Die unabhaengigen Weeklys kommentieren spitz, dass dieser Streik eigenlich niemanden interessiert, da Informationen auch anderswo zu erhalten sind.

So, toll, dass Ihr Euch bis hier unten durchgearbeitet habt ;-)
Ich wuensche Euch wunderschoene Weihnachten '00 und ein tolles neues Jahr '01

Viele Gruesse aus Seattle

Winny Ebner


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